Zur Geschichte des SPD-Ortsvereins Hardenburg
»Parteigenosse,
halte Treue Deiner Partei;
denn vereinzelt sind wir Nichts,
vereint dagegen Alles!«
Nachzulesen ist dieses Zitat, das auch heute noch nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat, in einem Mitgliedsbuch, das 1920 in Grethen ausgestellt wurde. Etwa um diese Zeit wurde die Hardenburger SPD gegründet, was der in Hardenburg geborene und später in Grethen wohnende Zeitzeuge Philipp Berger bestätigte. Gründungsort soll die Gaststätte "Leininger Hof" gewesen sein.
In der Ludwigshafener Ausgabe der "Rheinpfalz" vom 8. Mai 1992 wird zum 100. Geburtstag eines Friedrich Bassemir gedacht, der in Hardenburg am 9. Mai 1892 geboren wurde und am 25. September 1969 in Ludwigshafen-Oggersheim starb. Als Ortsvorsteher von Oggersheim und als Mitglied der SPD-Fraktion im Stadtrat von Ludwigshafen habe er sich sehr verdient gemacht. Weiter wird ausgeführt, daß er 1910 der SPD beigetreten ist, von 1925 bis 1933 dem Neustadter Kreistag angehörte und von 1920 bis 1933 als "geschäftsführender Bürgermeister" in Hardenburg tätig war. Die Nazis ließen ihn im März 1933 verhaften und warfen ihn ins Gefängnis. Ob er 1910 in Hardenburg der SPD beigetreten ist, kann heute nicht mehr geklärt werden.
1933 wurde die SPD in ganz Deutschland verboten. 12 Jahre sollte es dauern, bis die Unterdrückung und Verfolgung von Sozialdemokraten und deren Ideen ein Ende hatten. Ein Ende, bei dem Deutschland in Schutt und Asche lag, Hoffnungslosigkeit, Trauer und Hunger den Alltag bestimmten und trotzdem die Keime der Freiheit und der Demokratie überlebt hatten.
Nach den langen Jahren der Entbehrung und Unterdrückung konnte am Sonntag, dem 7. April 1946 die Partei im Lokal "Zum Brunnen" wieder gegründet werden. Viele Bürger - darunter die alten Genossen, die den Krieg überlebten - hatten sich eingefunden. Eingeladen dazu hatte Friedrich Wolf.
Am 15. September 1946 erfolgten in der Pfalz die ersten freien Stadt- und Gemeinderatswahlen seit 1929. Auf Anhieb erhielten die Sozialdemokraten in Hardenburg die meisten Stimmen. Bei der Bürgermeisterwahl am 22. September 1946 setzte sich im zweiten Wahlgang Wilhelm Schmidt (SPD) mit 8 Stimmen gegen Heinrich Höhn (CDU) (4 Stimmen) durch. Der spätere Bürgermeister Franz Rett wurde zum Adjunkten (Beigeordneten) gewählt.
Bis heute blieb die SPD in Hardenburg die stärkste politische Kraft und konnte mit einer Ausnahme die Bürgermeister bis zur Eingemeindung 1969 nach Bad Dürkheim stellen.
Bürgermeister:
1946 - 1949 Wilhelm Schmidt
1949 - 1964 Franz Rett
1964 - 1969 Alfred Heu (Wählergruppe)
Eine große Errungenschaft für die Gemeinde Hardenburg war die Errichtung der Schulturnhalle. Es ist sicherlich nicht übertrieben, zu behaupten, daß der damalige Bürgermeister Franz Rett die Triebfeder für dieses Projekt war.
Er war gleichzeitig Vorsitzender des ASV Hardenburg und konnte die Gemeinderäte davon überzeugen, wie wichtig diese Halle für die Gemeinde, insbesondere aber für die sportbegeisterte Jugend war. Nach zweijähriger Bauzeit konnte sie 1962 eingeweiht werden.
Von 1969 bis heute waren ununterbrochen sozialdemokratische Ortsvorsteher tätig. Im Ortsbeirat besaß die SPD die Mehrheit. So konnte für Hardenburg viel erreicht werden, z.B. Erneuerung der Friedhofshalle, Versorgung mit Gas und Pflasterung des ehemaligen Schulhofes.
Nach der Eingemeindung war es für die Sozialdemokraten sehr wichtig, daß die Belange Hardenburgs auch im Bad Dürkheimer Stadtrat gut vertreten wurden. So konnte durchgesetzt werden, daß die Turnhalle durch die Stadt Bad Dürkheim unterhalten wurde (inzwischen wurde sie mehrmals renoviert) und daß die Hardenburger Vereine diese weiterhin kostenlos zur Verfügung gestellt bekamen. Nach der Auflösung der Hardenburger Schule wurde gegen den Widerstand anderer etablierter Parteien im Stadtrat erreicht, daß das Gebäude als Kindergarten genutzt werden konnte. Für die Hardenburger SPD war wichtig, daß das ganze Ensemble von Gebäuden, Turnhalle, Kindergarten und Kerweausschank mit Toilettenanlage in öffentlicher Hand blieben.
Stadtratsmitglieder:
1969 - 1973 Wilfried Schmidt
1973 - 1984 Arnold Peter
(1961 - 1974 Kreistagsmitglied)
ab 1984 Dr. Ernst Meitner u. Lothar Nonhebel
Neben der politischen Arbeit genoß auch das gesellige Zusammensein einen hohen Stellenwert. So konnten neben vielen Wahlveranstaltungen mit Bürgermeistern, Landtags- oder Bundestagsabgeordneten sowie Ortsbegehungen auch Maitänze, Maifeiern, Busfahrten und Sommerfeste veranstaltet werden.
Bei allem positiven Wirken standen aber immer die Menschen und die Gerechtigkeit im Vordergrund. Eine überdurchschnittliche Mitgliederzahl spiegelt die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung wieder. Dies ist für uns Ansporn und Zuversicht zugleich und läßt uns optimistisch in die Zukunft blicken.
Lothar Nonhebel, SPD Hardenburg.
Erschienen in: 100 Jahre SPD Bad Dürkheim 1898-1998. Die Festschrift, hrsg. von SPD Ortsverein Bad Dürkheim 1998.
